Olli trifft… Bernd Jansen

„Der TuS ist ein Flaggschiff für Zusammenhalt”


Der Hückelhovener Bürgermeister Bernd Jansen hat den TuS Jahn Hilfarth besucht. Knapp ein Jahr nach der Eröffnung des Vereinsheims sprechen der TuS-Vorsitzende Olli Hermsmeier und TuS-Geschäftsführer Christoph Hensen mit dem „ersten Bürger der Stadt“ über die Bauzeit und die Einweihung des Vereinsheims. Der Bürgermeister kündigt im Gespräch mehrere Bauprojekte für Hilfarth an und verrät, ob er 2020 noch mal als Bürgermeisterkandidat antreten möchte. Vor allem aber findet er für die TuS-Verantwortlichen ganz persönliche Worte.

Hermsmeier: Bernd, Du hast die Bauphase unseres Vereinsheims komplett begleitet. Wie blickst Du auf diese Zeit zurück und was verbindest Du mit dem Gebäude?

Jansen: Es ist beeindruckend. Zum Ende der Bauphase merkte man natürlich, dass die Luft etwas raus ist, gerade bei den Verantwortlichen. Der Druck war Euch schon anzumerken. Vor allem aber auch die Freude, dass man dann mit der Eröffnung einen Schlusspunkt setzen konnte.  Die Bauzeit war lang, weil der Anteil der Eigenleistung so hoch war. Wir haben die ganze Zeit über ja immer wieder Gespräche geführt – egal ob über Klinker, Trockenbau oder… Jetzt können wir stolz sein, sowohl die Stadt, als auch ihr, als Verein. Wir haben hier etwas geschaffen, was die Zeit überdauern wird.

Hermsmeier: Schön, dass Du das auch so sieht. Man sieht, dass die Mannschaften den Verein seit der Eröffnung anders erleben. Die Teams kommen eine halbe Stunde früher zum Training, trinken vielleicht vorher noch einen Kaffee zusammen. Und bleiben auch häufig noch nach dem Training am Platz. Es gibt auch immer mehr Zuschauer beim Training, das hat man sicherlich nicht überall. Wir können wirklich stolz auf das Vereinsheim sein. Letztlich haben sich damit alle, die geholfen haben, selber ein Denkmal gesetzt.

Hensen: Du bist ja selber gelernter Handwerker. Auch aus fachlicher Sicht kann man also zufrieden sein?

Jansen: Ja. Es ist ja nicht mehr so wie früher, dass es am Sportplatz einen Unterstand gab, den man mal genutzt hat, wenn man vom Regen überrascht wurde. So kannte man es ja zu unserer Zeit. Früher ist man dann zum Umziehen nach dem Spiel in die Kneipen gegangen. Da musste man dann unter Umständen einen Kilometer laufen.

Jetzt haben wir hier ein Gebäude nach neuestem Standard. Die Materialien sind edel und aufeinander abgestimmt. Das ist der Zeitgeist. Das Vereinsheim dient also eben nicht nur noch zum Umziehen und Duschen, sondern ermöglicht ein familiäres Vereinsleben. Es war der richtige Zeitpunkt, dieses Vereinsheim zu bauen.

Auch als Handwerker muss ich sagen, dass hier professionell gearbeitet wurde. Ich muss natürlich auch meinen Kollegen aus den Fachabteilungen meinen Respekt zollen. Und natürlich mussten auch vorab harte Verhandlungen über das Budget geführt werden, denn letztlich geht es um den Umgang mit Steuergeldern. Dennoch hatten wir den Anspruch, zum Beispiel auch den Vereinsraum zu ermöglichen, damit das Gesellige nicht zu kurz kommt.

Bernd Jansen und Olli Hermsmeier vor dem metallenen TuS-Wappen, das der Hilfarther Stefan Mester im vergangenen Jahr stiftete.

Hermsmeier: Das Lob an die Verwaltung kann ich natürlich zurückgeben, insbesondere nenne ich hier immer gern Herrn Czervan. Es ist generell alles sehr fair abgelaufen.

Kurz nach der Eröffnung hatten wir hier ja einen Wasserschaden. Als ich angerufen wurde, war von „ein bisschen Wasser“ die Rede. Dann stand aber in den ganzen Kabinen fünf Zentimeter Wasser. Wir haben dann an dem Abend hier mit zwei Mannschaften und anderen Helfern gearbeitet – und irgendwann habe ich mich einfach in eine Ecke gesetzt und geheult. Wie hast Du die Nachricht von dem Wasserschaden empfunden?

Jansen: Das war natürlich tragisch. Es war wie bei einem neuen Auto, die erste Schramme tut immer am meisten weh. Gerade wenn hier so viel Einsatz gezeigt wurde und dann ein Schaden in diesen Dimensionen entsteht, bedauere ich das sehr.

Viel schlimmer finde ich es noch, wenn Vandalismus im Spiel ist, bei neuen Schulen zum Beispiel. Hier war ja ein Materialfehler die Ursache. Letztendlich haben wir alles wieder hinbekommen und es ist bei materiellen Schäden geblieben.

Ich tröste mich dann immer etwas damit, dass es viel schlimmer gewesen wäre, wenn einem Arbeiter hier etwas passiert wäre.

Hermsmeier: Ja, das stimmt. Es ist niemandem etwas passiert, darüber sind wir sehr froh.

Leider warst Du ja bei der Einweihung des Vereinsheims krank und musstest die Teilnahme kurzfristig absagen…

Jansen: Es gibt im Arbeitsleben eines Bürgermeisters angenehme, schöne Termine und Termine, die man eher als Pflicht empfindet. Dieser Termine wäre sicherlich einer der schönen Termine gewesen.

Ich glaube, bei Eurem 90-jährigen Jubiläum haben wir beide, Olli, gemerkt, dass die Chemie zwischen uns stimmt. Und ich weiß, dass hier beim TuS Leute sind, mit denen man gern seine Zeit verbringt. Leute, die genau wie ich Pragmatiker sind, die immer ehrliche Worte anstreben.

Ich wäre von daher sehr gern da gewesen, aber bin leider auf der Rückfahrt aus dem Urlaub Opfer der Klimaanlage geworden. Eigentlich bin ich robust, aber an dem Tag hat es mich umgehauen. Und dann bringt es auch nichts, hier mit Fieber und Schüttelfrost hinzukommen, da hat keiner was von.

Hermsmeier: Ja, das konnten wir natürlich verstehen.

Wir haben auch mal ein paar Kinder aus unserem Verein gefragt, ob sie Fragen an den Bürgermeister haben. Die häufigste Frage war, ob er selber mal Fußball gespielt hat.

Jansen: Ja, habe ich. Und zwar auf einer Position, die es nicht mehr gibt, dem Libero. Ich habe von der F-Jugend bis zur A-Jugend in Ratheim gespielt. Da haben wir uns natürlich immer wieder in Lokalkämpfen mit Hilfarth gemessen, aber auch mit Borussia Hückelhoven. Olaf Beirowski war da immer mein Gegenspieler. Hier in Hilfarth waren es zum Beispiel Achim Sodekamp und Heinz-Willi Schopphoven. Das waren immer harte Kämpfe und ehrlicherweise haben wir häufig verloren (lacht). In Ratheim bin ich seit fast 40 Jahren Mitglied.

Hensen: Gibt es da markante Erinnerungen, vielleicht aus Spielen gegen Hilfarth?

Jansen: Wir haben seinerzeit gegen Hilfarth gespielt als Dieter Breuer Trainer in Hilfarth war. Bei uns standen Hans-Josef Geiser und Fritz Voßenkaul an der Seitenlinie. Da waren dann teilweise mehr Emotionen am Spielfeldrand zu bemerken als bei uns auf dem Platz. Da ging es richtig zur Sache und man merkte, mit wie viel Herzblut die Verantwortlichen dabei waren.

Olli Hermsmeier betont die Unterstützung zahlreicher Sponsoren, die den Bau des Vereinsheims ermöglichten.

Hermsmeier: Die Kinder haben dann auch noch gefragt, von welchem Verein du Fan bist…

Jansen: Borussia Mönchengladbach! Rainer Bonhof war damals mein Idol und als der nach einem Abstecher nach Valencia nach Köln ging, habe ich auch mal ein paar Jahre mit dem Kölner FC sympathisiert. Nachdem er seiner Karriere beendet hatte, bin ich aber wieder zur Fohlenelf zurückgekehrt…

Hermsmeier: Da haben wir gleich noch eine passende Frage: Wir planen aktuell unser 100-jähriges Jubiläum, das im Jahr 2020 stattfinden wird. Das „Herzstück“ der Feierlichkeiten wird das Festwochenende vom 19. bis zum 21. Juni sein. Samstagabends werden hier in Hilfarth Kölsche Bands auftreten. Würdest Du da als Gladbach-Fan also trotzdem vorbeikommen?

Jansen: Ja, letztendlich sind wir alle Rheinländer! Beim Musikgeschmack und bei der Lebensart sind wir wieder ganz nah. Trotzdem muss natürlich auch etwas Rivalität sein, so wie zwischen Hilfarth und Hückelhoven oder Hilfarth und Ratheim. Letztlich sind wir aber eine Stadt. Ich werde auf jeden Fall dabei sein.

Hermsmeier: Darauf freuen wir uns! Dann bist Du ja hoffentlich noch Bürgermeister und ich Vorsitzender (lacht). Wie empfindest Du denn den TuS Jahn als Bürgermeister? Wie beobachtest Du den Verein von außen?

Jansen: Der TuS Jahn Hilfarth ist ja mittlerweile der größte Verein in der Stadt. Unter anderem, weil der TuS eben nicht nur Fußball ist, sondern zum Beispiel auch ganz groß in der Leichtathletik. Ich empfinde den TuS Jahn als geschlossenen Verein, der familiär geführt wird und von seinen Mitgliedern immer unterstützt wird. Ich glaube, Eure Akzeptanz im Ort Hilfarth ist riesig. Der Zusammenhalt ist generell etwas, das Hilfarth ausmacht – und für Zusammenhalt ist der TuS Jahn ein Flaggschiff.

Hensen: Seit einigen Jahren haben wir unsere „Helping Hands“-Kampagne, die Du als Schirmherr unterstützt. In diesem Jahr helfen wir den „Schatzsuchern“ aus Wassenberg. Wie blickst Du auf die vergangenen „Helping Hands“-Aktionen zurück?

Jansen: Dieses Projekt ist ja eigentlich ein Idealfall, sowas ist sonst nur großen Vereinen vorbehalten. Dass man sich zusätzlich zum Sportbetrieb einem sozialen Vorhaben verschreibt, ist vorbildlich.

Und hier beim TuS Jahn hört das soziale Engagement ja nicht bei „Helping Hands“ auf. Man denkt zum Beispiel an den Haarspendetag im letzten Jahr zurück. Solche Aktionen werden von Euch ja auch marketingtechnisch gut aufbereitet. Dadurch wird so eine große überregionale Resonanz erzielt, dass ihr Botschafter und Imageträger für die Stadt seid. Man kann Euch zu solchen professionellen Aktionen nur beglückwünschen.

Hermsmeier: Ja, darauf sind wirklich stolz. Vor einigen Wochen wurde den B-Juniorinnen der „NRW-Preis für Frauen und Mädchen im Sport“ übergeben. Bei so einer Preisverleihung hat man dann auch schon mal Gänsehaut.

Ganz direkt gefragt: Wie lange bleibst Du noch Bürgermeister?

Jansen: Mein „Arbeitsvertrag“ läuft ja noch bis Herbst 2020. Ich will auf jeden Fall noch mal antreten, ich habe nach wie vor Lust. Ich glaube, unsere Stadt ist nach wie vor noch nicht da, wo wir sie alle gern sehen würden. Aber wir sind auf dem richtigen Weg.

Ich habe auch noch nicht das Gefühl, dass die Leute mich satt sind. Es ist ganz wichtig, das zu erkennen.

Fachmännische Blicke auf das Vereinsheim – beide sind gelernte Handwerker.

Hensen: In Hückelhoven wird ein neuer Sportplatz geplant. Was steht sonst noch in den nächsten Jahren in sportlicher Hinsicht an?

Jansen: Die Turnhallen sind fast alle sanierungsbedürftig. Wir bauen jetzt für sechseinhalb Millionen Euro die Grundschule in Hilfarth neu. Im Anschluss wollen wir die benachbarte Turnhalle kernsanieren. Die Sporthalle in der Schlee hat gerade für 700.000 Euro eine neue Lüftungsanlage eingebaut, ein neuer Boden kommt dort auch noch.

In Ratheim wird die Mehrzweckhalle abgerissen werden. Damit soll in den nächsten zwei Jahren begonnen werden, dann entsteht dort ein Neubau. Die Investitionen werden also bleiben, da sind wir auch im ständigen Kontakt mit dem Stadtsportverband.

Für Hilfarther ist außerhalb vom sportlichen Bereich bestimmt interessant: Es wird ja derzeit ein großes Baugebiet geplant, das kommt insbesondere jungen Familien zu Gute. Außerdem bauen wir an der Tannenstraße einen weiteren städtischen Kindergarten. Wir werden außerdem den Dorfmittelpunkt neugestalten, von der Kirche bis zum Korbmachermuseum. Das wollen wir in den nächsten Jahren angehen.

Hermsmeier: Wir sind gespannt! Vielen Dank für Deinen Besuch und das Gespräch!

Autor: Christoph Hensen
Datum: 8. Juni 2018